staTdT_kunst

Stadtkunst aus verschiedenen Kunst-Blickwinkeln

"Kunst ist, was eigentlich niemand versteht." Dieses Zitat aus der
Text-Bild-Musik-Collage, die unter dem Titel "staTdT_kunst" das
"grenzenLOS"-Projekt im Brucknerhaus sehr überzeugend beendete,
war im Kontext zahlreicher anderer kunstkritischer Statements
Ausgangspunkt einer multimedialen Klangreise durch ein aus
ungewohnten Blickwinkeln betrachtetes "Stattbild" von Linz.

Im Vorfeld wurde von Hannes Raffaseder (Komposition), Kurt Höbst und
Doris Winkler (Visualisierung) eine Fülle von Bild- und Tonmaterial
zusammengetragen, das mit Textcollagen Andrea Winklers, die
Straß enumfragen mit Lyrik von Christine Lavant u. a. konfrontierte,
und "live" gespielten Kompositionen und Improvisationen zu einem
aufregenden Ganzen verschmolz. Dabei ist es überraschend gut gelungen,
Strukturen aufzubauen, die aus dem scheinbar chaotischen
Durcheinander von optischen und akustischen Informationen konzentrierte,
immer wiederkehrende Muster bildeten.

Einerseits dominierten großformatige Diaprojektionen, die mit
auskomponierten, teilweise spannend auf motivischen Keimzellen
aufgebauten und sich verdichtenden Klangbildern und den vom Computer
eingespielten Text- und Geräuschzitaten geschickt verflochten wurden.
Andererseits kontrapunktierten Collagen ab-strakter Symbole
(von geometrischen Mustern bis zu verschiedenen Verbotstafeln), die in
rhythmischer Folge wechselten und so den Grundschlag für ausgedehnte
Improvisationen schufen, die vermeintliche Realität der Fotos.

Das Ensemble um Hannes Raffaseder (Klavier und Electronics) mit
Christian Wirth (Violine), Hubert Kalupa (Kontrabass), Markus Lindner
und Albin Zaininger (Schlagwerk) fügte sich mit der richtig "distanzierten
Präsenz" in das Gesamtkonzept ideal ein, bei dem dennoch - um ein
weiteres Textzitat herauszugreifen - "das Auge alles in sich hineinsog" -
so auch die Musik, die gegenüber der Opulenz der Bilder etwas zurückstand.

Das Projekt staTdT_kunst ist mit diesem Konzert, das bewies, dass
zeitgenössische Kunst durchaus verstehbar ist, nicht abgeschlossen
und kann im Internet unter www.stadtkunst.com verfolgt werden.

OÖ Nachrichten,Michael Wruss, 14. März 2002





S/T\EIN

Land und Leute multimedial
Sein oder Stein? - Neues bei den "Paul Hofhaimer Tagen" in Radstadt

Zuerst ertastet die Kamera Natur und Landschaft. Steine prägen sie,
tauchen auf zwischen Grasbü-scheln, unter Wurzeln und Moosen.
Der Blick auf die Bergregion verfängt sich ebenso im Stein wie jener auf die
Stadtmauer von Radstadt. - "S/T/EIN", ein multimediales Werk von dem
oberösterreichischen Komponisten und Medienkünstler Hannes Raffaseder
und dem Fotografen Kurt Hörbst, fragt nach dem Sein im Stein.
Oder danach, ob und wie Menschen und Umwelt einander beeinflussen.

Die Steine sind allgegenwärtig, als wiederkehrendes Bildmotiv der wehrhafte
n Mauer ebenso wie in einer Klangcollage vom Tonband. Diese "Kulisse"
in Geräuschen und Bildern schufen die Künstler im Vorjahr bei
Tonaufnahmen in Radstadt und Umgebung, in Wirtshäusern, beim
Einkaufen, unter Touristen und Einheimischen. Wörter und Geräusche
sind zu Klangflä-chen "montiert" worden, dazu kommt Livemusik von
Klavier und Kontrabass. Manchmal greift der Pianist auch zur Melodika,
zur Blockflöte, einmal sogar zur Maultrommel.

Das Sympathische an dem Unternehmen ist, dass es nicht auf die
vertrauten Klischees der Kritik an Tourismus und Jodelwahnsinn hinausläuft.
Raffaseder und Hörbst zielen eher auf Assoziationen ab. Aber natürlich ist
dieses Hervorrufen von Gedankenketten auch eine nachhaltige Form von
Kommentar: Da sieht man eine Bubble-Sesselbahn, die im Sommer
komisch dasteht. Während sich die Musik wie in einer Panik-Attacke
verdichtet, "wuchern" die Liftgehänge auf der Leinwand... Autos, Transit,
Touristen, Momente des Alltagslebens, das wird in "S/T/EIN" in klar
proportionierten Abschnitten aufbereitet: frei, poetisch, gedankenreich
und in der Musik mit Jazz-Einflüssen garniert.

Die Auftragsarbeit für die "Paul Hofhaimer Tage" in Radstadt wurde am
Freitag uraufgeführt.

Salzburger Nachrichten, Reinhard Kriechbaum, Feb 2002





... wenn die tropfen leben sind ...
Von Wärme und Elementarteilchen. Punktum.
Gedankliches von Helga Reibenberger.

Eine Überraschung sollte es werden - und ist es geworden; nicht nur weil
zwei Profis eine "Sache" so gut aufbereiteten, nein, weil im besonderen
ungewöhnliche Textpassagen (Lyrik?) der promovierten Freistädterin Helga
Reibenberger (Montanuniversität Leoben) den Abend prägten.

Der Freistädter Hannes Raffaseder als Musiker und Komponist schon
bestens bekannt und der arrivierte Fotokünstler Kurt Hörbst aus Apfoltern
beeindruckten mit ungewohnter Technik.
Wenn die Tropfen Leben sind ..... nannte sich dieses multimediale Projekt
im Rahmen der Freistädter Literaturtage im Saal der Arbeiterkammer in der
Zemannstraße.
Helga Reibenberger lässt grüßen.
Die Freistädterin lässt den Physiker Heisenberg literarisch dort auftreten,
wo er sicherlich niemals zu sein geglaubt hätte - nämlich in ihrer Gefühlswelt;
verschachtelt mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Exzerpten bringt
sie uns auf eine Ebene, die Schmunzeln, sehr oft Nachgrübeln, manchmal
Erschrecken, Erstaunen und glatte Erkenntnisse glossieren.

Die visualisierte Umsetzung - die Schrifttype, der Punkt, der schließt und
weiterführt, das Weißmalen der Schrift ist virtuos. Die Sinnlichkeit der Texte
tritt stark hervor, wird teilweise eingebettet in streng formale Erkenntnisse
und dezent von der Stimme Andrea Winklers unterstrichen.
Die Überblendungsfelder, die ein Kurt Hörbst zaubert sind malerisch,
versuchen den Text in Wellen weiterzutragen - die "Mechanik" lässt grüßen.
Hannes Raffaseder setzt passende klangliche Akzente, gibt musikalische
Anstöße.

Drei unterschiedliche Künstler, die keine Berührungsängste haben und die
eine Kernschmelzung hervorbringen - Wärme im positivsten Sinn.
Ein Abend voller Kostbarkeiten - multimedial - besser:
vielschichtig wie eben das Leben ist. Punkt.

Otto Ruhsam im November 2000





Gegen das Verdrängen

Richard Pils ist ein Kämpfer gegen das Vergessen, das Verdrängen.
Er kämpft mit Büchern dagegen an, die zuweilen in ihrer Ästhetik auf den
ersten Blick fast die Botschaft zur Seite zu schieben scheinen, die sie
vermitteln wollen. Auf den zweiten Blick wird die Ästhetik zum Vehikel
eben dieser Botschaft.
Bücher die zu den schönsten und bewegendsten gehören die im Land in
letzter Zeit produziert wurden:
"ÜBERLEBT" - Menschenbilder / Lagerbilder - von Kurt Hörbst.
Der Empfänger der oberösterreichischen Talentförderungsprämie 1998 für
künstlerische Fotografie suchte nach Überlebenden von Auschwitz, Treblinka, Mauthausen, Theresienstadt, Dachau usw., usw. Lässt sie zu
Wort kommen, lässt ihre Gesichter zu aufgewühlten Landschaften der
Erinnerung werden - und fotografierte dazu das, was noch da ist von
diesen Vorhöfen zur Hölle. Er lässt die Dinge sprechen, ohne ihnen etwas
Künstlich-Künstlerisches zu unterlegen in Auschnitt oder Perspektive.
Gerade dadurch verströmen die Bilder ein Todes-Schweigen, das heute
noch unmittelbar kalt macht im Herzen.

OÖ Nachrichten, Reinhold Tauber, 1999





Buchtipp "Überlebt"

Der junge oberösterreichische Fotograf Kurt Hörbst hat in den großen
Konzentrationslagern, die während der Nazi-Zeit bestanden, fotografiert.
Die Bilder der "stummen Zeugen" ergänzte er mit Interviews noch lebender
Zeitzeugen. Sie erinnern sich an die Grauen des KZ und auch an das
Weiterleben nach dem Krieg.
So ist ein spannungsreiches und anrührendes Buch entstanden.
Es wird selbst zu einem notwendigen Zeugen eines wichtigen Kapitels
unserer Geschichte und seiner Rezeption durch einen jungen Menschen
von heute. Die aufwendig gedruckten Bilder sowie die sorgfältige grafische
Gestaltung unterstreichen den Wert des Werkes.

Welt der Frau, Christine Haiden, 1999





Die Sprache der Überlebenden

(...) Hörbst hat drei Jahre lang ehemalige Konzentrationslager fotografiert
und die Fotos mit langen Passagen aus Gesprächen mit Überlebenden,
die in wunderbar konzentrierten Portraitfotos vorgestellt werden,
zusammengestellt.

Auschwitz, Auschwitz-Birkenau, Buchenwald, Dachau, Mauthausen,
Ravensbrück. Wie fotografiert man diese Orte? Hörbst hat sich für einen
zurückgenommenen, fast meditativen Blick entschieden. Trotzdem besteht
immer die Gefahr, daß "schöne Fotos" entstehen. Haben nicht Fotos von
funktionslos gewordenen verfallenden Nutzbauten immer ihren eigenen Reiz?
Hörbst hat es sich nicht leicht gemacht.

Er versucht, die Bedeutung dieser Orte auch in der Gegenwart
festzuschreiben. Obwohl die verlassenen Lager durch die Distanz der Zeit
von dem Grauen des tatsächlichen täglichen Gebrauchs abgehoben sind,
will jedes Foto ein Mahnmal sein. Die Blicke in leere Barackenräumen,
auf Appellplätze und Zuggleise sind zu indexalischen Zeichen geworden:
Sie stehen für eine staatlich institutionalisierte Mordmaschinerie, die
jenseits jeder verbalen oder bildlichen Beschreibung liegt.
Erschreckenderweise ist sie am ehesten in Zahlen dokumentierbar (...)

Hörbst stellt den Fotos der Unorte die Stimmen der Überlebenden entgegen.
So werden sie zu Projektionsflächen von gelebter Erfahrung, aus der
historischen Distanz geholt und aktualisiert (...)

Auszüge aus dem Standard Artikel "Die Sprache der Überlebenden"
Birgit Flos, 1999





Überlebt

Ein großartiger neur Bildband aus dem Verlag "Bibliothek der Provinz",
dazu eine sehenswerte Ausstellung im Schloß Weinberg.
Unter dem Titel "Überlebt " hat der Fotograf Kurt Hörbst eine feinfühlige
Dokumentationanhand der Gegenüberstellung verschiedener
Konzentrationslager und Überlebender des Holocaust geschaffen.
Hohe Eindringlichkeit durch Unaufdringlichkeit - eine schöne Leistung.

OÖ Nachrichten, 1999





Überlebt

"Im vollen Bewußtsein, dem Thema ob seiner Dimension nicht gerecht werden zu können, begann ich das Projekt. Zu Beginn wußte ich nicht, wohin mich diese Arbeit führen, beziehungsweise, wie sie sich entwickeln würde und letztendlich darstellen ließe. Nach fast drei Jahren Arbeit kann und soll diese Publikation nur einen Versuch oder eine Skizze darstellen." Mit diesen Sätzen kommentiert der 1972 in Apfoltern geborene Fotograf und Lehrer an der Prager Fotoschule sein großformatiges 202 Seiten starkes Werk. Sein Blick richtet sich auf ein - wahrscheinlich das - zentrale Ereignis des zuende gehenden Jahrhunderts - Auschwitz. Ein Blick von und für uns "Nachgeborene(n)"? Spurensuche in Europa, dessen Länder und Völker wie in keinem Jahrhundert durch Mord und Barbarei zum Opfer fielen? Zeugnis abzulegen über das Erlebte wurde für alle, die überleben konnten zum wichtigsten Motiv, um weiterzuleben. Vielen Berichten aus deutschen KZ's unterliegt die uns oft unverständliche Grundhaltung von Schuld, überlebt zu haben. Jeder der Überlebenden hat 10, 100 oder gar mehr Kameraden sterben sehen, hat überlebt, während (manchmal weil) andere sterben mußten. Wie kann man den Bericht gemäß der Inschrift über Dantes Höllentor aufnehmen und vermitteln: "Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren"? Es gäbe keine Hoffnung mehr und Vergessen machte sich breit, wenn nicht die Erinnerung an die Opfer lebendig bliebe - ein Gebot schon deshalb, weil ohne dieses die Mörder wirklich gesiegt hätten. Auschwitz, Birkenau, Majdanek, Mauthausen, Theresienstadt, Dachau, Sachsenhausen, Ravensbrück, Buchenwald, Flossenburg sind abgebildet, fotografisch dokumentiert, en detaile, als Fragment, als Ruine, als Zeugnis, als Symbol. Fotografie als Kunst macht es dem Betrachter leichter, als manche Künstlichkeit und Nüchternheit wissenschaftlicher Dokumentation, sich dem Grauen zu nähern. Geglückt konnte die auf uns oft distanzierend wirkende Schablone herkömmlicher ritualisierter Ikonen vermieden und überwunden werden, durch die manche Gedenkstätten ihr Anliegen dokumentieren. Hier gilt endlich einmal nicht die unendlich große Zahl, die Anonymität, das System. Hier wird individueller Zugang erleichtert. Die persönliche Botschaft des Fotografen ist das eine. Das andere ist die Biographie mit Bedacht ausgewählter Zeitzeugen, Opfer und Überlebender, Anwälte ihrer toten Leidensgefährten. Sie sprechen durch ihr Portrait und sparsamen Aussagen: Dagmar Ostermann, die in Wien lebende Jüdin, Karl Stojka, der in Wien lebende Roma, DDr. Ella Lingens, die in Wien lebende Ärztin und Juristin, Fritz Kleimann, ein in Wien lebender Jude, Hilde Sobot, die bei Wien lebende Jüdin, Elisabeth Böcklinger, die bei Linz lebende Frau, Franz Willinger, der bei Linz lebende Kommunist, Marko Feingold, der in Salzburg lebende Jude, Francisko Comellas Linares, ein in Linz lebender Spanier, Hans Landauer, der in Wien lebende Exkommunist, Dr. Franz Danimann, der in Wien lebende Sozialist, Norbert Lopper, der in Wien lebende Jude. Wilhelm Gugig, der in Wien lebende Jude, Leopold Engleitner, der bei Bad Ischl lebende Zeuge Jehovas, Johann Steinbock, der in Steyer lebende Pfarrer. Unmittelbar vor seiner nicht mehr erwarteten Befreiung aus einem Außenlager Buchenwalds Langenstein-Zwieberge schrieb H. G. Adler seinen Gedichtszyklus "Das ist das Ende": Urwelt der Träume ... O, über mich!, Ausgeschüttet Über mich Armen, Der ich verlassen Wankend stehe Im Nacht-Gedächtnis Dieser verwirkten Welt In erstarrt erstarrender Wirklichkeit! - Adler widmete sich - wie keiner vor ihm und auf diesem Niveau wenige nach ihm - mit seinem wissenschaftlichen Oeuvre bis zu seinem Lebensende 1988 der Analyse des nationalsozialistischen Lagersystems, in seiner Lyrik dem Erleben und Erleiden, der Erinnerung und Schuld, dem Zweifel und der Hoffnung. Die Botschaft des uns nun vorliegenden Buches ergänzt Adlers dichterische und wissenschaftliche Möglichkeit, mit einem Jahrhundert- und Menschheitsereignis zurechtzukommen, für das Worte, Gesten und Einfühlungsvermögen oft genug fehlen. Der "Versuch" von Kurt Hörbst scheint mir gelungen, insofern er nicht den Anspruch erhebt aber die Möglichkeit eröffnet, Erinnerung als immer fragmentarisch aber dennoch evident nachvollziehbar zu machen. Dem Verleger Richard Pils sei Dank und Zuspruch gesagt, sich mit dieser Edition etwas außerhalb seiner Themen der "Bibliothek der Provinz" zu bewegen. Diesem hier zu würdigenden Buch sind Leser in allen deutschen vielleicht sogar europäischen Provinzen Betrachter und Leser zu wünschen. "Überlebt. Menschenbilder - Lagerbilder" erhielt 1999 die Auszeichnungen "Schönste Bücher Österreichs" und "Schönster Buchumschlag Österreichs".

W. Rimpau, Gesellschaft für politische Aufklärung, 1999





Reisespuren in der Galerie Spectrum

Erinnerungen an Irgendwo
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wenn einer eine
Kamera besitzt, dann bringt er selbsterlegte Souvenirs nach Hause,
wirft sie auf die Leinwand oder klebt sie in ein Album.
Was Kurt Hörbst bis 20. November 1998 in der Galerie Spectrum zeigt,
ist anderer Art:
Das läßt zunächst an experimentelle Fotografie denken. Aber es ist klassische Autorenfotografie, aufgenommen mit einer ganz normalen
Kamera. Die Motive sind es, die seine Arbeiten von Urlaubsandenken
unterscheiden. Er sieht, was andere nicht sehen,
spürt dem
Unscheinbaren nach, dem Mikrokosmos in einer Mauer,
in einem Haufen Sand, der sich in eine Landschaft mit Gebirgen
verwandelt, wie sie vom Flugzeug aus erscheint.

Gottfried Reichart, OÖ Kulturbericht und Neues Volksblatt, 1998





- Gratwanderung in den Lagern

Nicht neu ist seine Arbeit, aber sehr ungewöhnlich in der Beharrlichkeit,
mit der er der Zeitgeschichte auf seine Weise nachgeht: fernab von allem
Pathos, leise. Mit genauem Blick.

Ausschnitt aus dem Standard Artikel "Gratwanderung in den Lagern"
Michael Freund, 1997





Mit Vergnügen

Zu den fotografischen Arbeiten von Kurt Hörbst
Kurt Hörbst fotografiert sehr gerne. Er fotografiert Mauern in Schwarzweiß,
die ihm wie Bildnisse erscheinen, Mülltonnen, Fenster, Dachrinnen, Aufgänge, Abgänge und immer wieder Mauern.

Seine Fotografien zeigen Schatten, viel Dunkles, Strukturen und in
geewissem Sinne Details. Sie leben vom Verfall, der sich in alten,
abgenutzten Fassaden mit Vergnügen zeigt.

Der Moment des Auslösens, des Fotografierens, fasziniert ihn, gerade
jener Augenblick, in dem der Spiegel hochklappt und das Motiv konzentriert,
eine Hundertstelsekunde vergeht, dann geht er weiter, wieder die Mauern
entlang.

Abends, wenn der Tag fotografisch abgeschlossen ist, wirken die Bilder
nach: unfertige, latente Bilder. Meist spürter schon dann, ob die
konzentrierten Augenblicke des Tages ihn zufriedenstellen konnten.
Die Konzentration löst sich in einen Zustand von Muße auf,
in flüchtigen Spuren von Erinnerung (...)

Die Arbeit abgeschlossen, packt den Fotografen wieder seine alte
Sehnsucht, abgenutzte Fassaden, abgeblätterter Verputz, vergängliche
Mauern. Der Spiegel der Kamera klappt hoch, das Bild wird festgehalten
und eine Hundertstelsekunde vergeht ...

Auszüge aus dem Artikel "Mit Vergnügen", Wiener Zeitung
Theodor Scheffl, 1999